"Es ist ideal hier." David Vasicek und seine Frau Doreen sind Oktober 2005 als eine der ersten Bewohner ins 50.000 Quadratmeter große Quartier gezogen, auf dem bis 1995 US-Kasernen standen. Sperrbezirk für die Zivilbevölkerung. Vorbei. Die neue Zeit heißt Drei-Zimmer-Eigentums-Wohnung, Parkett, Fußbodenheizung, Erstbezug - für Vasicek das Ideal von Stadtwohnung. Dazu die U-Bahn fast vor der Haustür, mehrere Autobahnen wenige Fahrminuten entfernt, City und Kneipen im Nordend zu Fuß zu erreichen "und trotzdem ist es ruhig".
Neben Sozialamt und Supermarkt bieten lang gestreckte Wohnhausriegel entlang der Hansa- und Miquelallee zusätzlichen Schallschutz, sagt Vasicek. "Außer einem leisen Rauschen hört man so gut wie nichts." Wie wohnen auf der Insel - und doch mitten in der Stadt. Die Lage hat viele überzeugt, "alle Wohnungen waren bei Baubeginn verkauft", sagt Volker Geenen, Niederlassungsleiter der Corpus Projektentwicklung Wohnen, die 183 Wohnungen im Grünhof baut. Die letzten 40, sagt Geenen, werden spätestens November bezugsfertig.
Konkurs des Investors
Dabei lief die Umwandlung des alten Kasernen-Geländes anfangs alles andere als reibungslos. Die Stadt hatte das Areal, das sie 1945 an die US Army verpachtet hatte, vor sieben Jahren für 25 Millionen Euro an Investoren verkauft. Eine Tochter der Bouwens Gruppe zog den 36 Millionen Euro teuren Verwaltungsbau in die Höhe, die Süba Rhein-Main, kaufte für rund zehn Millionen Euro den Baugrund für 250 Wohnungen. Zwei Jahre später, die ersten Häuser an der Hansaallee standen, ging Süba Konkurs - und zwei Jahre lang nichts mehr.
Baustellenbrache, ramponierte Straßen, Dreck, verzweifelte Wohnungsbesitzer in spe. 2003 kaufte Corpus ein erstes Grundstück vom Insolvenzverwalter und zog vier Häuser mit 30 Wohnungen in die Höhe. Drei- und Vier-Zimmerwohnungen zwischen 55 und 110 Quadratmetern "in gutem Standard", sagt Geenen. Zielgruppe: Paare und junge Familien. "Die Resonanz war so groß, dass wir auch die restlichen Grundstücke aus der Süba-Insolvenz kauften."
Die Nachfrage bestätigte das Angebot: Junge Paare fragten vorwiegend nach größeren Wohnungen, legten notfalls sogar zwei kleine zusammen, "eben mit der Perspektive, Platz für Kinder zu haben". Bisher sind unter den rund 500 neuen Bewohnern des Grünhofs allerdings erst wenig Kinder, sagt Geenen. "Die meisten sind junge Paare, die ihr erstes Eigenheim gekauft haben." Dennoch ist das Ende der Stadtflucht junger Familien für den Corpus Niederlassungsleiter ein spürbarer Trend: "Sie wollen in der Stadt leben. Am liebsten in Vierteln mit gewachsenen Strukturen, suchen aber gleichzeitig ein lebenswertes Umfeld für ihre Kinder."
"Der Grünhof ist ein Volltreffer." David Vasicek hat es noch keine Sekunde bereut, in das Westend-Anhängsel gezogen zu sein. Das präsentiert sich weitgehend autofrei, Autos verschwinden in den Tiefgaragen unterm Jugend- und Sozialamt, unter Rewe und den Häuserriegeln an der Hansaallee. Der Edinger Weg als Hauptachse zu den Häusern ist als gepflasterte Sackgasse angelegt, Bäumchen links und rechts lassen keinen Zentimeter Platz für Autos. "Außer Post und Müllabfuhr hat da niemand was zu suchen", bestätigt Geenen.
Die Ruhe ist allerdings Zukunftsmusik. Noch wird gebaut, wachsen im nördlichen Bauabschnitt an der Straße Am Grünhof die letzten weißen Häuserriegel mit Klinkersockel für weitere 200 Bewohner. Dennoch, die schlimmsten Jahre sind überstanden, sagt auch Karin Krieg, Leiterin des evangelischen Kindergartens der Dornbuschgemeinde, die 2005 ihren leuchtend roten Kindergarten-Neubau am Edinger Weg bezogen hat. 29 Jahre lang residierte die Kita zuvor in der inzwischen abgerissenen alten Holzkirche hinterm neuen Jugend- und Sozialamt. "Die letzten fünf Jahre waren die Hölle", sagt Krieg. "Als die Spundwände fürs Sozialamt in den Boden gerammt wurden, sind bei uns die Regale durch die Räume gewandert." Baulärm, Dreck - "und kaum waren wir in den Neubau gezogen, haben sie nebenan angefangen zu bauen".
Die Kneipen sind nahe
Den Baulärm fand auch Jürgen Köstner belastend. Dennoch haben er und seine Frau Elena Gento es nicht bereut, dass sie vor zwei Jahren mit ihren vier und zwei Jahre alten Kinder in den Grünhof gezogen sind. Die langjährigen Nordendler wollten auch nach der Geburt ihrer Kinder nicht auf Kneipen, Kino, Läden, den Flair des Altstadt-Kiezes und die "optimale Verkehrsanbindung" verzichten, gleichzeitig aber Platz und einen Garten vor der Haustür, wie Jürgen Köstner sagt. "Die Reihenhaussiedlungen am Riedberg oder Frankfurter Bogen waren uns aber zu gleichförmig und 08 / 15. Die haben einfach zu wenig Charme."
Im Grünhof hat die vierköpfige Familie zwar kein Haus für sich, der Kompromiss, dass zur Erdgeschoss-Wohnung der Garten gehört, bot für sie aber den idealen Kompromiss. Auch in Sachen Stadtgefühl: Diesseits der Miquelalle e gibt es zwar auch keine Kneipen und Geschäfte wie im Nordend, sagt Köstner: "Aber das ist ja nicht weit weg."










